Auf der Baustelle fährt fast alles Diesel. Nanno Janssen fährt 60 Lkw elektrisch. In dieser Folge sprechen wir mit ihm darüber, warum beides gleichzeitig stimmt. Nanno führt in fünfter Generation eine Spedition aus Ostfriesland und hat eine der größten E-Lkw-Flotten Deutschlands aufgebaut.…
Auf der Baustelle fährt fast alles Diesel. Nanno Janssen fährt 60 Lkw elektrisch. In dieser Folge sprechen wir mit ihm darüber, warum beides gleichzeitig stimmt.
Nanno führt in fünfter Generation eine Spedition aus Ostfriesland und hat eine der größten E-Lkw-Flotten Deutschlands aufgebaut. Angefangen haben sie mit einem Antrag über 20 Fahrzeuge und 20 Ladepunkten, heute fahren 60 Lkw elektrisch. Er erklärt, warum ein Silofahrzeug mit Kompressor elektrisch schwierig wird, wo der Platz für Nebenaggregate fehlt, und warum sich Elektro vor allem dort rechnet, wo viele Autobahnkilometer und ein eigenes Depot zusammenkommen.
Es geht um Zahlen, die man nachrechnen kann: 35 Cent Maut pro Kilometer, von denen E-Lkw bis Mitte 2031 befreit sind, 20.000 bis 30.000 Euro Ersparnis bei 80.000 Kilometern im Jahr, und die Frage, was nach 2031 von diesem Vorteil übrig bleibt. Außerdem: was die Fahrer nach der Umstellung sagen, warum Einkäufer in Konzernen Nachhaltigkeit leichter durchbekommen, wenn der Preisunterschied klein ist, und warum Nanno die deutschen Strompreiszonen für den größten offenen Hebel der Politik hält.
Für Bauunternehmen ist das mehr als ein Randthema. Transport steckt in jeder CO2-Bilanz, und die ersten Auftraggeber werten Nachhaltigkeit in der Vergabe bereits mit.
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Moritz00:01Ja moin und herzlich willkommen bei RoadTalk. Ich bin Moritz, sitze heute in Zürich. Claas sitzt in Fulda und neben ihm ist unser heutiger Gast, Nanno Janssen. Nanno kommt ursprünglich auch aus Ostfriesland, wie wir. Er hat eine Spedition und eine der größten E-Lkw-Flotten in Deutschland. Ja, das ist ziemlich spontan entstanden heute. Umso schöner, dass es klappt. Nanno, fangen wir doch mal an bei dir. Was machst du so?
Nanno00:22Ja, ich bin Nanno, mittlerweile die fünfte Generation bei uns im Unternehmen und leite zusätzlich noch einen Standort in Fulda. Deshalb hat Claas mich gefragt, ob er mal vorbeikommen kann. Es passt ganz gut, weil du hier eine Messe hast. Und genau, deshalb treffen wir uns heute hier. Ich bin quasi Unternehmensnachfolger, also leite das Unternehmen, also Nanno Janssen, gleichnamig wie ich, zusammen mit meinem Vater zusammen. Genau, wir betreiben, wie du schon gesagt hast, viele E-Lkw, sind sowohl im Lager- und Logistikbereich als auch eben im Straßenverkehr unterwegs und betreuen dort dann auch die verschiedensten Kunden, also sag ich mal von kleinen Mittelständlern bis hin zum Großkonzern und auch in verschiedensten Branchen dort. Also von Automotive, Stahl, Pflanzenlogistik, eben auch zum Beispiel Zement fahren wir da auch durch die Gegend. Also was dann eher in Richtung Straßenbau geht zum Beispiel. Genau. Sind also sehr vielfältig aufgestellt, fahren, sag ich mal, europaweit und ja.
Claas01:40Ja, das klingt ja sehr spannend, Nanno. Vielen Dank, dass ich vorbeikommen darf hier an deinem Standort. Ich bekomme gleich die Führung. Da freue ich mich auch schon sehr drauf. Und ja, wir haben uns natürlich auch Gedanken gemacht. Nanno hat es ja gerade angeschnitten. Wie könnte da der Übergang sein? Logistik? Nanno hat es schon mal gesagt, Beton. Ja, ist natürlich auch im Straßenbau mit vorhanden. Genau, wir haben uns auch Gedanken gemacht. Ist ja natürlich mega spannendes Thema, E-Lkw. Und da muss man ja dazu sagen, die finden ja bisher, sag ich mal, im Straßenbau oder auch allgemein im Bau ja noch wenig Anwendung. Und da haben wir uns natürlich auch gefragt, ob du uns mal ein bisschen was darüber erzählen kannst. Wir haben eine Vermutung vielleicht, aber auch gerade was aus deiner Sicht: Wieso die halt im, sag ich mal, im Straßenbau-Sektor oder im Tiefbau-Sektor noch nicht eingesetzt werden.
Nanno02:28Genau, gerne. Wir setzen, wie gesagt, schon E-Lkw beim Transport von Branntkalk ein. Das heißt, das sind Silo-Transporte, die entsprechend, ja, auch, sag ich mal, sowohl über die Schwerkraft entladen werden, aber auch durch Kompressoren. Wir haben den Vorteil, dass der Kunde bei uns vor Ort einen Kompressor hat. Oftmals ist es aber ja auch so, dass der Lkw den Kompressor mitnimmt, und da fängt quasi schon das Problem beim Elektro-Lkw an. Also Platz ist da ein bisschen begrenzt, weil dort der ganze Platz mit Batterien befüllt ist. Und dementsprechend muss man sich oft entscheiden, ob du jetzt entsprechend so ein ePTO, also sag ich mal Stromanschluss, oder ein Hydrauliksystem oder einen Kompressor mitnimmst. Aber alles drei zusammen geht auch schwierig. Und auch zwei Sachen sind in der Kombination bisher doch nicht so häufig zu sehen. Und das ist auch ein Grund, wieso gerade mit diesen Nebenaggregaten, dass gerade der Straßenbau sich da ein bisschen schwerer tut. Gleichzeitig werden im Schüttgutbereich, im Silo-Bereich natürlich kürzere Strecken zurückgelegt, was zur Folge hat, dass diese Mautersparnis, die den E-Lkw wirtschaftlich sehr interessant macht, dann nicht so zur Geltung kommt. Da profitieren dann eher die regionaleren Spediteure, die auch ein eigenes Depot zum Laden haben.
Moritz04:17Ja, spannend. Ich und Claas haben vorhin kurz geguckt: Die großen Baukonzerne haben sich inzwischen feste Klimaziele gesetzt. Die STRABAG will bis 2040 komplett klimaneutral sein und auch bis 2030 schon ein Viertel weniger in der Lieferkette verbrauchen. VINCI und EUROVIA wollen auch bis 2030 40 Prozent runter. Die Autobahn GmbH will bis 2045 klimaneutral sein. In dieser Lieferkette steckt auch der ganz normale Transport drin. Was denkst du, können da Lkw auch einen großen Beitrag leisten?
Nanno04:54Ja, es ist tatsächlich ein relativ einfacher Hebel, der gar nicht mit massiven Mehrkosten zusammenhängt. Ich habe ja schon ein bisschen angedeutet, es gibt eben diese Mautbefreiung für die Fahrzeuge bis 2031 noch. Der E-Lkw an sich ist natürlich schon deutlich teurer in der Anschaffung als ein normaler Lkw. Der kostet so das Zwei- bis Zweieinhalbfache vom Diesel-Lkw. Und diese Kosten müssen natürlich in der Lebensdauer dann irgendwie wieder reingefahren werden. Das schaffen wir einmal durch günstigere Mautkosten und eben durch günstigere Energiekosten. Günstige Energiekosten bekomme ich eigentlich nur, wenn ich entsprechend ein eigenes Depot habe oder entsprechende Partnerschaften mit den großen CPOs, den, sag ich mal, Aral, Milence und Co. Und ja, also das sind so die Hebel, die am Ende zur Wirtschaftlichkeit eines E-Lkw beitragen. Aber wenn ich diese beiden Kostenfaktoren im Griff habe, also sowohl viele Kilometer machen als auch günstig Energie einkaufen kann, ist das ein relativ guter Hebel, um für so ein Bauunternehmen dann auch entsprechend relativ günstig, sage ich mal, die Klimabilanz zu verbessern, ohne die eigenen Prozesse anfassen zu müssen. Im Endeffekt ist das ein 3PL-Geschäft, alles Auftragnehmer, die ich, sage ich mal, beauftrage damit. Also muss ich noch nicht mal in den eigenen Produktionsprozessen was verändern und habe gleichzeitig trotzdem großen Impact. Und ja, deshalb sehe ich den E-Lkw auch im Bausektor schon als großen Hebel, dort prozentual gesehen auch relativ viel CO2 schon einzusparen.
Moritz07:15Okay. Du hast gesagt, die Anschaffungskosten sind relativ hoch im Vergleich zum Diesel-Lkw. Wie verhält sich das denn? Wie viel spart denn ein E-Lkw pro Jahr im Betrieb ungefähr im Vergleich zum Diesel-Lkw? Also ab wann trägt sich so einer wirtschaftlich?
Nanno07:34Genau, die Energiekosten hängen natürlich immer davon ab, zu welchen Konditionen ich jetzt den Strom einkaufe und auch wie teuer gerade der Diesel ist. Der schwankt ja auch jeden Tag, hundertprozentig genau kann man das nicht sagen. Aber bei den Mautkosten kann man es natürlich genau sagen, weil das sind so 35 Cent pro Kilometer, die diese Lkw bezahlen. Und da ist der E-Lkw entsprechend bis 2031 oder Mitte 2031 noch befreit. Je mehr Autobahnkilometer oder Bundesstraßenkilometer ich zurücklege, desto größer wird dann natürlich der Unterschied. Also dann kann ich mit 80.000 Kilometern natürlich schon 20.000, 30.000 Euro einsparen.
Claas08:31Das ist ja schon mal eine ganze Menge, und da fallen mir auch zwei Fragen ein. Du hast gerade vom Depot gesprochen. Ich bin auch schon mal bei euch natürlich in Leer in Ostfriesland vorbeigefahren. Ich weiß jetzt nicht, ob es damit zusammenhängt, bin ich aber mal ganz gespannt. Ihr habt da ja auch zum Beispiel einen eigenen Solarpark angeschlossen. Die Energie muss auch irgendwoher kommen, beziehungsweise wahrscheinlich, wenn man sie teuer einkauft, wird es auch nicht mehr so wirtschaftlich, beziehungsweise so lukrativ sein. Und vielleicht auch eine zweite Frage, die danach natürlich auch die Straßenbauunternehmen beziehungsweise die Fuhrbetriebe interessiert: Wenn gerade die Anschaffungskosten so hoch sind, ist es natürlich ein schwerer Hebel, zu sagen, man geht diesen Weg ein. Und auf der anderen Seite ist die Straßenbaubranche ja auch immer ein bisschen, sag ich mal, Nachzügler. Die sind jetzt noch nicht so ganz so modern aufgestellt. Wenn das nur bis 2031 die Mautersparnisse sind: Weißt du schon, oder gibt es danach noch neue Ziele? Oder rechnet ihr euch das schon ein, dass ihr, sag ich mal, Vorreiter seid, früh in diesem Prozess anfangt, eure Flotte zu elektrifizieren, und dann zu sagen, es rechnet sich innerhalb dieser Jahre? Oder gibt es da vielleicht auch neue Subventionen seitens des Staates?
Nanno09:38Genau, also die reinen Anschaffungskosten, die Zeiten sind eigentlich, also Anschaffungskosten-Investitionssubventionen, die sind jetzt eigentlich vorbei, denn am Ende wollen wir natürlich auch den Wettbewerb haben zwischen den einzelnen Lkw-Herstellern, und langfristig werden gerade bei Neuanschaffung hoffentlich die Preise irgendwann auch runtergehen. Ich meine, da gibt es ja auch schon die ersten Tendenzen, dass sowohl die Batterie- kosten natürlich sinken, als auch natürlich alle Hersteller in die Serienproduktion gehen. Und dadurch müssten die Stückkosten dann schon zumindest die nächsten Jahre sinken. Genau. Was passiert nach 2031? Also die Maut besteht aus mehreren Bestandteilen. Also einmal aus dem Infrastrukturanteil. Da steht noch nicht ganz fest, zu wie viel Prozent der jetzt am Ende beim E-Lkw angerechnet wird. Also entweder zu 100 Prozent, dann müsste er es quasi komplett tragen. Oder ursprünglich war die Idee mal zu sagen, so 25 Prozent des Infrastrukturanteils, das die E-Lkw bezahlen müssen. Also das macht ungefähr die Hälfte der Mautkosten aus. Dann gibt es noch einen Lärmanteil. Und vor allen Dingen der größte Anteil, die andere Hälfte, ist dann eigentlich der CO2-Anteil an der Maut. Und die CO2-Emissionen eines E-Lkw auf der Straße sind ja gleich null. Dementsprechend müsste man auch nach 2031 mindestens die Hälfte an der Straßennutzungsgebühr einsparen. Also das ist wirklich mal als Perspektive. Dementsprechend kann ich die TCO-Rechnung, also Total Cost of Ownership, sag ich mal, was kostet mich das Produkt im ganzen Lebenszeitraum, dann schon so kalkulieren, dass ich sage, nach 2031 spare ich bei der Maut immer noch 15 bis 20 Cent mindestens, je nachdem auch, wie sich das Ganze entwickelt. Ich habe natürlich auch die Möglichkeit, im eigenen Depot eine eigene Stromerzeugung zu errichten, also eigene Solaranlagen zum Beispiel mit Speichersystem. Und bin dann natürlich auch in den ganzen Kalkulationen so aufgestellt, dass ich für die nächsten zehn Jahre weiß, was mich das Ganze erwartet oder was mich an Kosten erwartet. Genau.
Claas12:30Ja, das ist ja erst mal sehr spannend. Wahrscheinlich steckt da auch viel Rechenarbeit drin. Das muss man sich wahrscheinlich gut durchkalkulieren. Aber ich finde es bemerkenswert, auch diesen Schritt gegangen zu sein, und finde das sehr gut, dass man da auch mal so ein bisschen Pionierarbeit leistet. Das muss man auch dazu sagen. Nanno ist ja auch viel unterwegs auf verschiedensten Veranstaltungen, und ich glaube, man hört es auch schon raus, Nanno hat sich in der Tiefe wirklich schon sehr gut damit beschäftigt und weiß, wovon er auf alle Fälle redet.
Moritz12:57Das ist auf jeden Fall spannend. Vielleicht in dem Zusammenhang eine Frage. Man hat gerade rausgehört, da gehört langfristige Planung dazu. Da müssen ja strategische Entscheide getroffen werden. Was hat damals den Ausschlag gegeben, dass ihr euch entschieden habt, diesen Weg zu gehen?
Nanno13:14Gut, das war im Prinzip auch so ein bisschen der Generationswechsel bei uns im Unternehmen. Das haben mein Vater und ich damals zusammen gemacht, als es hieß, ich habe Lust, das Unternehmen weiterzuführen. Genau da war dieser Technologiewechsel der Branche gerade im Raum. Dann gab es damals auch noch interessante Förderprogramme, mit dem KsNI-Programm, wo auch ein Großteil der Infrastrukturkosten und auch ein Teil der Mehrkosten gefördert worden sind. Und da haben wir uns dann eben überlegt, was machen wir denn? Da gab es dann im Endeffekt die zwei Optionen: Entweder man testet so ein bisschen im kleinen Stil, so mit ein, zwei Lkw und einer Ladesäule, oder wir machen es gleich richtig und stellen so einen Antrag, dass wir die jetzige Flotte komplett elektrifizieren können, mit der Infrastruktur, die wir dann entsprechend aufbauen. Und da haben wir uns dann eben für den zweiten Weg entschieden und haben gleich 20 E-Lkw beantragt damals, mit der entsprechenden Ladeinfrastruktur, also mit 20 Ladepunkten, also dass wir 20 E-Lkw gleichzeitig laden können, was schon eine der größten Infrastrukturen damals war. Und genau, als dann der Förderbescheid kam, haben wir gesagt, okay, dann machen wir das jetzt. Und genau, aus 20 damals, also 22, die wir beantragt haben, die dann ab 24 gekommen sind, sind mittlerweile jetzt schon 60 E-Lkw geworden, weil wir eben auch festgestellt haben, dass die Technik funktioniert, alltagstauglich ist, und die Skalierung natürlich noch deutlich größere Vorteile bringt. Ich habe ja relativ große Capex-Kosten, Investitionskosten am Anfang, gerade in die eigene Infrastruktur, und jeder weitere E-Lkw, der dazukommt, kostet mich im Verhältnis relativ wenig von den operativen Kosten her. Und deshalb lohnt sich, sage ich mal, so eine Skalierung schon relativ schnell dann in dem Fall. Genau, und deshalb sind wir mittlerweile bei 60 E-Lkw.
Moritz15:43Nicht schlecht.
Claas15:45Ja, das ist wirklich wahnsinnig. Ich komme ja auch so aus dem Bereich des Kabelbaus, Leitungsbaus. Vorher, bevor ich noch Bauleiter war, unter anderem auch Straßenbau. Da habt ihr wahrscheinlich ziemlich große Stromkabel auch in der Erde liegen, weil ich kenne es noch so dimensionsmäßig, gerade auch für Solarparks. Die haben schon Durchmesser annähernd an die 30 bis 50 Zentimeter. Also das ist schon ganz schön großartig, eine Großbaustelle bei euch. Sonst noch mal eine Frage. Wir haben ja auch immer so ein bisschen die Rubrik eine steile These. Du hast ja schon angeschnitten, dass es erstens gar nicht so einfach ist, sage ich mal, dann auch im Bausektor eigene E-Flotten zu betreiben. Aber auf der anderen Seite hat beispielsweise Dynapac ja auch einen Asphaltfertiger entwickelt, der voll elektrifiziert funktioniert. Und da auch mal meine Frage, vielleicht auch aus der Sicht deiner Mitarbeiter: Es gibt ja viele auch gerade, sage ich mal, im Bau, die natürlich dem Diesel ein bisschen immer treu bleiben. Die Diskussion kennt man auch bei Privatpersonen zwischen Elektroauto und Verbrenner. Wie ist so auch das Feedback eurer Mitarbeiter, wenn sie, sage ich mal, nicht mehr auf einem dieselbetriebenen Lkw fahren, sondern elektrifizierte Lkw?
Nanno16:57Ja, das Feedback von den Mitarbeitern ist sehr positiv insgesamt. Sage ich mal, 95 Prozent der Fahrer sind da auf jeden Fall sehr aufgeschlossen und schätzen natürlich auch den deutlich höheren Komfort der Fahrzeuge. Das Fahren und das Beschleunigen ist sehr viel angenehmer. Also ich habe kaum Lärm. Die Fahrzeuge fahren ja wirklich ruhig. Und auch beim Bremsen kann ich die gesamte Energie wieder zurückgewinnen, durch die Rekuperation. Und das führt natürlich dazu, dass es ein deutlich entspannteres Fahren ist. Und deshalb will auch eigentlich kaum jemand zum Diesel wieder zurückkehren. Gerade wenn ich als Fernfahrer die ganze Woche mit dem Fahrzeug unterwegs bin, ist das doch ganz schön angenehm. Das ist auch, sag ich mal, auch im Sommer habe ich eine entsprechende Standklimaanlage immer im Fahrzeug, ohne dass, sag ich mal, der Dieselmotor da irgendwo mitläuft. Und auch im Winter mit der Standheizung sind auch die Verbräuche gar nicht so hoch, sondern das ist eigentlich immer eine ganz gute Sache. Das hat jeder E-Lkw standardmäßig mit drin. Und deshalb sind die Fahrer ganz begeistert von den Fahrzeugen. Natürlich ist es am Anfang noch eine Herausforderung. Ich muss da die eine oder andere Sache meistern, hier und da auch absatteln, um zu laden. Aber letztendlich, ich glaube, so ein Absatteln dauert im Schnitt, so vier Minuten absatteln, vier Minuten wieder aufsatteln, also insgesamt so acht Minuten verliert man für so einen Vorgang. Und es entstehen ja auch immer mehr Lkw-Ladeparks. Im Endeffekt haben wir die Pkw-Infrastruktur zweckentfremdet und einfach mit den Lkw geladen. Dadurch kommen wir eben quer durch Europa mit den Fahrzeugen. Aber es entstehen eigentlich wöchentlich neue E-Lkw-Ladeparks, wo ich ohne Absatteln direkt ranfahren kann, und dadurch wird das E-Lkw-Fahren auch jede Woche einfacher. Wie gesagt, wir haben jetzt über die Hälfte schon elektrifiziert, und die Fahrer sind sehr begeistert.
Moritz19:41Ja, du hast ja schon einige Vorteile der Elektrifizierung angesprochen. Ich weiß, bei Ausschreibungen spielt ja CO2-Emission auch immer mehr eine Rolle. Merkt man das auch auf der Nachfrage-Seite, dass sie speziell E-Lkw wollen für den Transport?
Nanno19:58Ja, die Nachfrage ist schon sehr groß. Größere Konzerne wollen auch sehr stark dieses ganze Thema angehen. Ich meine, bei Mittelständlern, da kommt es drauf an, ob der Unternehmer sagt, auf das Thema habe ich Bock, und fragt dann entsprechend bei uns an. Aber auf Konzernebene brauchen sie natürlich auch etwas für ihre Nachhaltigkeitsberichte. Und da, sag ich mal, die Kostenunterschiede nicht so riesig sind, ist das auch relativ einfach dann auch für die Konzerne bei sich im Unternehmen entsprechend durchzusetzen. Also Nachhaltigkeit scheitert natürlich oft daran, sag ich mal, dass der Einkäufer das dann schlecht begründen kann. Wenn die Unterschiede nicht groß sind, dann kann natürlich der Einkäufer schon sagen, hey komm, wir tun dann etwas Gutes, und kann das natürlich dann auch leichter begründen. Da haben wir schon sehr viel Nachfrage bei uns. Und ja, die Auftragsbücher sind voll.
Claas21:15Ja, das ist ja schon mal super. Wenn wir über volle Auftragsbücher reden, stelle ich jetzt auch noch mal eine steile These. Ich sage mal, wenn jetzt das Sparschwein geöffnet wäre, wärst du auch vielleicht interessiert, mal zu sagen, okay, ich gehe in den Schüttgutbereich beziehungsweise orientiere mich doch mal mehr Richtung Bau? Ihr habt jetzt ja damit angefangen, du hast ja ganz am Anfang schon mal erwähnt, mit Beispiel Beton. Und glaubst du, es könnte doch noch mal interessant sein? Vielleicht hast du dir auch schon mal Gedanken gemacht.
Nanno21:42Grundsätzlich ist es schon ein interessanter Markt. Wobei wir natürlich auch erst mal gucken müssen, in welchen Bereichen skalieren wir, sag ich mal, richtig und in welchen halten wir uns erst mal noch zurück. Also gerade im Bausektor kommt es immer drauf an, was genau wir da transportieren. Also gerade was den Siloverkehr angeht, das ist glaube ich eher eine regionalere Geschichte, oder wäre eine regionalere Geschichte, dass wir eher, sage ich mal, in Ostfriesland und im Emsland unterwegs sind mit solchen Fahrzeugen. Und ja, was natürlich Fertig- fundamente und ähnliche Dinge angeht, was wir ja auch jetzt schon viel fahren: Die können natürlich auch mit einem normalen Planenauflieger oder offenen Auflieger gefahren werden. Und das ist tatsächlich relativ alltäglich schon jetzt für uns und ist am Ende auch eine steigende Branche. Genau, hängt natürlich auch ein bisschen von der Konjunktur ab.
Moritz22:55Angenommen, ein Transporteur aus dem Straßenbau, was Claas gerade angesprochen hat, im Mischgut- oder Schüttgutbereich, würde jetzt gerade zuhören, und der wäre interessiert, seine Flotte umzurüsten. Würde es irgendwas geben, was du ihm raten würdest? Oder wovor du ihn warnen würdest, ein Fehler, den er vermeiden könnte?
Nanno23:16Einfach anfangen. Das ist jetzt tatsächlich die... Ja, also wenn ich mich als Spediteur oder Transporteur jetzt nicht mit der Thematik beschäftige, dann könnte ich in zwei, drei Jahren, sag ich mal, auch abgehängt werden. Also momentan ist jetzt noch gerade so ein bisschen... die Frühpionierphase ist jetzt eigentlich vorbei. So langsam geht das in die Skalierung rein. Und dann geht es auch ganz schnell exponentiell. Und es kann natürlich sein, wenn ich mich noch gar nicht mit der Thematik beschäftigt habe, dass es dann irgendwann auch zu spät sein könnte in diesem Bereich. Oder dass ich dann entsprechend den Marktvorteil, sage ich mal, verliere. Deshalb ist es schon wichtig, sich heute zu informieren. Was gibt es für Möglichkeiten? Kann ich vielleicht, wenn ich ein eigenes Depot habe, das bei mir selber machen vor Ort? Und dann, genau.
Moritz24:21Ja, spannend. Ähnlich verhält sich das ja auch beim Thema Digitalisierung, KI im Straßenbau. Also man muss auch mit der Zeit gehen und sich informieren.
Claas24:32Auf alle Fälle. Ich glaube, das ist auch ein ganz spannendes Thema, wir haben es in einem unserer letzten Podcasts angeschnitten beziehungsweise haben wir auch mit Isabell darüber gesprochen. Stichpunkt Ausschreibung im Bausektor: Da tut sich auch gerade viel, gerade im Straßenbau, temperaturabgesenkter Asphalt, und die ersten Bundesländer oder auch eben die Deutsche Bahn gehen schon dazu über zu sagen, bei der Ausschreibung gewinnt nicht mehr der Günstigste, sondern anhand eines Schlüssels wird auch noch geschaut auf den Aspekt der Nachhaltigkeit. Und gerade kann man sich ja vorstellen: Der erste Punkt war jetzt ja der Asphalt, sprich das Material, aber ein sehr großer zweiter Posten, sag ich mal, innerhalb dieser CO2-Rechnung ist ja eben der Transport. Der ist ja sehr CO2-intensiv, und ich denke auch, dass das natürlich auch für viele Unternehmen ganz interessant wird, gerade wenn der Schlüssel da ist, dass nicht nur eben der Günstigste gewinnt, sondern der, der auch das nachhaltigste Konzept vorweisen kann, natürlich dann auch wirklich einen Vorteil hat. Und das wird viele Straßenbauunternehmen dann wahrscheinlich auch geben, die bestimmte Bauprojekte haben und natürlich auch gerne den Weg gehen wollen würden, auch beim Transport anzusetzen und nicht nur eben beim Material.
Moritz25:43Ja, absolut, das Thema genießt ja auch immer höhere Bedeutung. Wir haben es gerade schon angesprochen, den Ladepark, den ihr bei euch habt: Bei der Eröffnung hattet ihr ja auch hohen Besuch aus Berlin. Gibt es irgendwas, wobei dir die, also abgesehen von Subventionen, wobei dir die Politik geholfen hat? Oder umgekehrt, wo du dir ein bisschen mehr Unterstützung gewünscht hättest?
Nanno26:08Ja, genau, gerade dieses Thema mit der Mautbefreiung, das war tatsächlich ein großer Aspekt, der auf jeden Fall sehr geholfen hat. Vor allen Dingen jetzt mit, sag ich mal, einem Zeitraum von fünf Jahren, also bis 2031, dass wirklich, sag ich mal, auch eine Planbarkeit entsteht. Und das ist eben sehr wichtig für uns Unternehmer. Genau. Und auch natürlich dieses ganze KsNI-Programm, das damals entsprechend da war, das hat, sag ich mal, den Markt wirklich dazu gebracht, dass, sag ich mal, auch die Hersteller alle ein Fahrzeug entwickelt haben und dass jetzt überhaupt dieser Wettbewerb entstehen kann. Da hat die Politik auch schon einen großen Einfluss gehabt. Und was jetzt den Markt oder die Fahrzeuge selber angeht, wie gesagt, da ist jetzt einfach der Wettbewerb unter den Unternehmen selber notwendig. Da, wo, sag ich mal, die Politik jetzt noch Bedarf hat oder was tun muss, sag ich mal, bei den Energiekosten selber. Also alles, was, sag ich mal, Stromsteuern und, sag ich mal, auch zum Beispiel Strompreiszonen angeht, dass einfach regionaler der Strom gehandelt wird. Das macht einfach fürs Energiesystem viel mehr Sinn. Weil das Wetter natürlich auch sehr regional ist. Also wenn ich in einer Region gerade viel Wind habe, muss ich dort natürlich auch den Strom günstig vertreiben, entsprechend speichern, Ähnliches. Und andersherum, wenn, sag ich mal, ein Mangel entsteht, muss natürlich auch dort vor Ort dann entsprechend der Strompreis höher gehen, dass entsprechend das auch wieder Strom abgegeben wird ins Netz. Und dadurch sparen wir uns am Ende, oder wird dieses ganze Netzsystem in Deutschland auch viel besser stabilisiert. Und dadurch müssten auch die Netzkosten, sag ich mal, sinken, wenn gerade die stromintensiven Industrien dorthin gehen, wo eben besonders viel Strom auch vorhanden ist, sag ich mal zum Beispiel direkt bei den Offshore-Parks. Also gerade wenn ich jetzt ein neues Rechenzentrum zum Beispiel baue: Die werden im Moment oft nach Frankfurt zum Beispiel gesetzt, weil da das Internet am besten ist, und die Stromkosten selber, es gibt in Deutschland bisher nur eine Strompreiszone, das heißt, ich habe überall den gleichen Strompreis. Und für die Entscheidung, wo setze ich jetzt so ein stromintensives System hin, spielt zumindest der Preis da keine Rolle, da geht es dann eigentlich eher um andere Faktoren. Dabei ist es eigentlich einer der wichtigsten Faktoren, gerade bei solchen Industrien oder bei solchen Systemen. Und da müssen wir eigentlich noch eine Veränderung haben, dass... Ich glaube, die EU empfiehlt mindestens fünf verschiedene Strompreiszonen. Man muss natürlich auch am Ende gucken, was ist da technisch möglich oder sinnvoll. Aber das wäre tatsächlich eine Sache, wo wir unser ganzes Stromsystem ökonomischer und ökologischer ausrichten würden. Auch wenn in einer Region entsprechend nicht so viel Strom vorhanden ist und die Strompreise entsprechend steigen, ist es natürlich auch für Investoren von Solar- und Windanlagen sinnvoller, in diese Region zu investieren. Und deshalb wäre das eigentlich wirklich der Schlüssel zu einer erfolgreichen Energiewende in Deutschland, wenn wir die Zonen einfach unterteilen. Das wäre ein großer Hebel von Seiten der Politik, das zu ändern.
Moritz30:26Das hört sich sehr schlüssig an. Dann hoffen wir, dass vielleicht auch jemand zuhört und das in Angriff genommen wird in Zukunft.
Claas30:33Das sind spannende Hinweise, gerade von jemandem, der sich so viel damit beschäftigt. Da lohnt es sich wahrscheinlich zuzuhören, auch vonseiten der Politik. Das könnte auf alle Fälle ganz interessant sein.
Claas30:45Das war ein sehr spannender Austausch. Ich denke, wir konnten wirklich viel lernen, Moritz. War ja auch ein Thema, was uns jetzt interessiert hat, sehr spontan. Und dann kam halt auch eben die Idee, dass das ein interessanter Inhalt sein könnte, der natürlich dann auch viele unserer Hörer anspricht. Und ich möchte mich auf jeden Fall bedanken. Freue mich gleich noch auf die Rundführung, dass ich ja auch mal ein bisschen was sehen kann. Genau. Danke.
Moritz31:07Ja, von mir auch nochmal. Vielen Dank, Nanno. Falls du es dir dann mal anders überlegst und doch noch im Straßenbau irgendwie aktiv wirst, im Schüttgut- oder Mischgutbereich, dann kannst du uns ja Bescheid sagen. Dann laden wir dich nochmal gerne ein.
Nanno31:19Gerne, ja.
Claas31:21Mach's gut, Moritz!
Moritz31:22Alles klar, schönen Abend. Tschüss.